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Wissenswertes aus der Finanzbranche

Wie aussagekräftig ist die TER?
Faktoren für die Einschätzung eines guten ETFs

28.01.2020

Kaum eine Zahl wird so oft für die Einschätzung eines vermeintlich guten oder schlechten ETFs herangezogen wie die TER (Total Expense Ratio). Aber ist es wirklich so einfach?

Wir lesen immer wieder, dass man nur die TER der einzelnen ETFs vergleichen müsste und dann wüsste man, welcher der günstige und damit der bessere ETF sei. Zeitgleich richtet sich damit an uns der Vorwurf, dass wir unseren Kunden durch eine eingeschränkte Auswahl hier die Möglichkeit nehmen, sich für den besten ETF zu entscheiden. Das ist jedoch eine stark vereinfachte Sicht auf die Dinge, die nicht immer zum richtigen Schluss führt.

Was ist die TER überhaupt?

Die Gesamtkostenquote bei einem Fonds oder eben auch einem ETF wird als Total Expense Ratio (TER) bezeichnet. Diese Kennzahl umfasst die Summe der Kosten und Gebühren eines Fonds als Prozentsatz des durchschnittlichen Fondsvermögen innerhalb eines Geschäftsjahres.

Folgen wir der oben beschriebenen Argumentation, würde die vereinfachte Rechnung lauten: Wenn ich 10.000 Euro im ETF X bei einer TER von 0,15 % anlege, habe ich nach 5 Jahren damit 20 Euro weniger gezahlt, als wenn ich Sie im ETF Y bei einer TER von 0,19 % angelegt hätte. Damit wäre der vermeintliche Vorteil, beim Einstieg keine Gebühren von beispielsweise 10 Euro gezahlt zu haben hinfällig und ich bin sogar schlechter dran.

Was hier aber unberücksichtigt bleibt ist, dass die TER zwar einen Großteil der Kosten abbildet, aber längst nicht alle. Neben z.B. den Transaktionsgebühren, die der ETF selber zahlt, bleiben auch Steuern außen vor.

Mögliche Steuervorteile

Die Ausschüttung eines Fonds muss wie alle anderen Kapitalerträge versteuert werden. Aber auch der ETF selber muss Steuern zahlen: Wenn die ausgebende Fondsgesellschaft ihren Sitz in Deutschland hat, ist die Dividendenausschüttung von deutschen Aktien nicht von Quellensteuern betroffen, der Fonds vereinnahmt die Dividende also Netto. Bei ausländischen Aktien sind in diesem Fall jedoch Quellensteuer von meist 15 % zu zahlen. Ein im Ausland ansässiger Fonds, könnte die Dividenden für die identischen Aktien wiederum ohne Quellensteuern erhalten, sofern sie aus seinem “Heimatland” stammen, müsste aber für inländische Aktien Quellensteuern zahlen.

Aus diesem Grund kann es sich beispielsweise auch lohnen, in einen SWAP-ETF zu investieren, auch wenn ein solcher ETF eine höhere TER aufweist und damit erstmal mehr zu kosten scheint. Zur Veranschaulichung: Der MSCI World bildet derzeit 1.600 Aktien ab – der Großteil davon sind amerikanische Unternehmen. Hier hat die eigentlich zu zahlende Quellensteuer auf Dividenden also einen erheblichen Einfluss. Da beispielsweise der geswapte MSCI World von Xtrackers so konzipiert ist, dass die SWAP-Kontrahenten in den USA sitzen und damit Steuerinländer sind, wird hier auch keine Quellensteuer fällig. Und wenn der Anleger hier mehrere Jahre die Quellensteuer auf die Dividendenausschüttung spart, hat das am Ende auch Einfluss auf die Performance.

Zusatzerträge aus der Wertpapierleihe

Viele ETFs generieren Zusatzerträge aus Wertpapierleihen. Neben der Frage wie viel Leihe tatsächlich passiert, ist auch entscheidend wie viel von den erzielten Erträgen als Aufwand für die Abwicklung verwendet werden und wie viel tatsächlich dem ETF und damit dem Anleger zu Gute kommt. Auch hier gibt es unterschiedliche Ansätze bzw. unterschiedliche Kostenmodelle der einzelnen Anbieter.

Die Kursbetrachtung bzw. die Performancebetrachtung ist entscheidend

Natürlich ist die TER eine Kennzahl, die man bei der Kaufentscheidung mit einfließen lassen sollte, allerdings ist es immer sinnvoll, sich das Gesamtkonstrukt anzuschauen. Die jährliche Performance von ETFs unterschiedlicher Anbieter lässt sich beispielsweise im Vergleichsrechner » von extraETF gegenüberstellen. Und hier wird eben auch ersichtlich, dass mitunter der ETF mit der höchsten TER am Ende dennoch die beste Performance aufweisen kann. Machen Sie sich selbst ein Bild – das ist häufig der beste Weg.

 

Kaufe ich bei Xetra billiger?
Kursqualität und Spreads an deutschen Börsen

17.12.2019

Wir haben festgestellt, dass viele Trader durch unser Angebot nur eines Börsenplatzes vermuten, dass sie damit eine geringe Liquidität und in der Konsequenz schlechtere Kurse hinnehmen müssten. Warum das nicht der Fall ist, wollen wir erläutern.

Ein Blick in die Vergangenheit

Als Telefone mit Tasten noch eine spannende Sache waren, wurden Aktien von Maklern an der Börse gehandelt. Ein Mensch führte die Kauf- und Verkaufsorders zusammen und ermittelte daraus den Preis – jeder Makler für seine Börse. Damit konnte es also tatsächlich sein, dass z.B. in Düsseldorf die Aktie X gerade teurer war als in Frankfurt. Wer also zwei Telefone besaß, was damals durchaus etwas besonderes war, konnte billig in Frankfurt kaufen und gleichzeitig teuer in Düsseldorf verkaufen und sich über einen risikolosen Arbitragegewinn freuen. Manchmal konnte es auch sein, dass man an Börse A nichts kaufen konnte, weil alle Verkäufer in B auf einen Käufer warteten. Anders gesagt: Jede Börse bildete ihren eigenen kleinen Liquiditätsteich, der manchmal nur einem Tümpel glich. Um nicht zu oft auf dem Trockenen zu sitzen, traf man sich meistens am größten Teich – damals meistens Frankfurt, später dann Xetra.

Und dann kam das Internet

Plötzlich hatte ja quasi jeder eine Vielzahl Telefone. Die Makler konnten sehen, was mit der gleichen Aktie an allen anderen Börsen passiert und darauf reagieren. Wenn an der Börse A also ganz viele Käufer und an der Börse B ganz viele Verkäufer waren, dann kaufte der Makler der Börse B einfach die Aktien von seinem Kollegen der Börse A und alle waren zufrieden. Der Anfang vom Ende der Makler war die Automatisierung. Computer übernehmen seitdem die Marktbeobachtung und sind dabei deutlich schneller. Der Mensch wird heute nur noch gebraucht, wenn etwas zu hinterfragen ist. Um nicht jede Börse im Blick behalten zu müssen, orientieren sich alle für die deutschen Aktien an Xetra.

Das Referenzmarktprinzip

Damit ist Xetra für deutsche Aktien der Referenzmarkt. Für eine amerikanische ist es dann entsprechend New York. Wenn an einer Börse nun das Referenzmarktprinzip gilt, heißt das, dass während der Xetra-Handelszeiten dort weder teurer gekauft, noch billiger verkauft wird. Dieses Prinzip gilt auch bei unserem Handelsplatz gettex.

Die Sache mit den Gebühren

Aus den vielen kleinen Teichen und Tümpeln wurde also ein See. Die einzelnen Börsen waren plötzlich nur noch verschiedene Badestellen an genau diesem See. Da das Wasser in einem See aber überall gleich hoch steht, kostet die Aktie dementsprechend überall gleich viel. Was sich aber unterscheidet, sind die Gebühren der Börsen. Bei Xetra hat das Preisverzeichnis 29 Seiten – inkl. der Preise für Frankfurt. Die meisten Broker reichen das an ihre Kunden in Form von Fremdkosten, Pauschalen oder Handelsplatzentgelten weiter. Aber die Frage ist doch: Warum soll ich in dem gleichen See mit identischer Wasserqualität schwimmen gehen und dafür Geld bezahlen, wo ich nebenan umsonst schwimmen kann? Aus unserer Sicht macht es deshalb keinen Sinn, an einer Börse mit Nebenkosten zu handeln. Dementsprechend braucht man auch keine Anbindung dahin.

Vermeintliche Differenzen bei verschiedenen Börsenplätzen

Wenn man die Kurse bei unterschiedlichen Handelsplätzen vergleicht, unterscheiden sich die Anzeigen regelmäßig. Hier bleibt aber unberücksichtigt, dass die Uhrzeit des Kurses häufig nicht dieselbe ist und zudem Kurse und Quotes vermischt dargestellt werden.Zur Erklärung: Ein Quote ist das, wozu man jetzt handeln könnte. Also z.B. für 52,50 € kaufen und für 52,49 € verkaufen. An Xetra ist der Quote das Ergebnis aus den Orders, die gerade da sind. Da an gettex ja das Referenzmarktprinzip gilt, können Kunden auch bei uns zu diesen Preisen handeln. Ein Kurs ist im Gegensatz dazu der Preis, zu dem zuletzt an diesem Börsenplatz gehandelt wurde. Das kann aber dadurch auch vor einer halben Stunde gewesen sein. Vergleichen lassen sich beide Werte durch die unterschiedlichen Zeitpunkte nicht mehr.

Die Frage der Liquidität

Natürlich kann es vorkommen, dass einzelne Werte an gettex bislang kaum oder den Tag noch gar nicht gehandelt wurden. Da es aber immer darum geht wie hoch die Handelsvolumen in einer Aktie insgesamt über alle Börsen sind, ist das irrelevant. Probieren Sie es einfach aus: Wenn Sie eine Aktie finden, die noch nicht gehandelt wurde und dann eine Order erteilen, dann werden Sie sofort eine Ausführung bekommen. Genauso gut wie an Xetra.

Am Ende entscheidet der Anleger

Natürlich fragt man sich jetzt, wieso es überhaupt noch so viele Börsen gibt. Das liegt einfach an der Tatsache, dass sie jede für sich noch etwas verdient und deshalb nicht so schnell verschwinden wird. Der Anleger hat damit die Qual der Wahl, aber eben auch die Möglichkeit an einer Börse ohne zusätzliche Courtagen und Entgelte zu handeln. Wer dann sich dann noch für einen Broker ohne Gebühren entscheidet, handelt ganz ohne Spesen und zahlt nur noch den Spread, den man aber auch an Xetra zahlt. Der Erfolg an der Börse korreliert nicht mit der Anzahl der Börsen, die zur Verfügung stehen. Was Sie kaufen ist viel wichtiger, als wo Sie es kaufen. Und: Wer mehr Kosten zahlt, muss dadurch auch erstmal mehr an der Börse verdienen.